Roads not taken.
Langzeit-Kampagne für eine andere Art, Deutsche Geschichte zu erzählen.
Für die Ausstellung „Roads not taken. Oder: Es hätte auch anders kommen können.“ entwickelten wir eine mehrstufige Kampagne, die sowohl auf die außergewöhnlich lange Laufzeit als auch auf den innovativen inhaltlichen Zugang zur deutschen Geschichte reagiert.
Die von Dan Diner kuratierte Ausstellung thematisiert auf über 1.000 Quadratmetern zentrale Wendepunkte der deutschen Geschichte von 1848 bis 1989 – jeweils im Spannungsverhältnis zwischen eingetretener Realität und dokumentierter Möglichkeit.
Um über den Zeitraum von vier Jahren hinweg Sichtbarkeit, Relevanz und Publikumsinteresse aufrechtzuerhalten, wurde die Kampagne in mehrere Phasen gegliedert. Jede Phase verfolgt eine spezifische kommunikative Funktion und adressiert definierte Zielgruppen auf unterschiedliche Weise. Gestalterisch variierende, aber visuell klar codierte Maßnahmen sorgen für kontinuierliche Aufmerksamkeit und wiedererkennbare Präsenz im urbanen Raum. Ziel ist es, sowohl neue Besucherinnen zu aktivieren als auch wiederkehrende Museumsgängerinnen durch vertiefende Inhalte anzusprechen.
#1
Die Teaser-Kampagne setzte bewusst auf Reduktion und wurde gezielt im Vorfeld der Ausstellung lanciert, um Aufmerksamkeit und Neugier zu erzeugen. Der Leitsatz „Es hätte auch anders kommen können“ wurde großflächig und ohne weiterführende Informationen auf Plakaten und Außenwerbeflächen platziert. Ein markanter grüner Pfeil verweist auf einen QR-Code, der auf eine begleitende Microsite zur Ausstellung führt. Durch den Verzicht auf Logos, Laufzeitangaben oder erklärende Inhalte wurde die Botschaft nicht als fertige Information präsentiert, sondern als kommunikatives Angebot inszeniert. Ziel war es, eine erste Interaktion zu initiieren, die Rezipient:innen aktiv in den Entschlüsselungsprozess einbindet und so bereits vor Ausstellungsbeginn eine gedankliche Auseinandersetzung anstößt.
#2
In der zweiten Phase der Kampagne wurde eine stadtweit sichtbare Plakatserie eingesetzt, die auf fünf prägnante historische Wendepunkte verweist. Die Gestaltung der Plakate folgt einem konsistenten Prinzip: Eine horizontale Teilung trennt den oberen Bildbereich, der das tatsächliche historische Ereignis zeigt („Wirklichkeitsraum“), von einer unscharfen, alternativen Version desselben Motivs im unteren Bereich („Möglichkeitsraum“). Zwei entgegengesetzt verlaufende Pfeile verbinden die beiden Hälften und fungieren zugleich als Zeitstrahl und symbolisches Band. Im Moment der Drehung visualisiert dieses Band den Übergang und dient als Metapher für einen historischen Umschlagspunkt. Trotz unterschiedlicher Bildmotive sorgt ein einheitlicher Aufbau für visuelle Kohärenz: Das charakteristische Band mit Wortmarke und Farbcode schafft Wiedererkennung und verankert die Kampagne im öffentlichen Raum.
#3
Seit Sommer 2023 befindet sich die Kampagne in ihrer dauerhaft angelegten Phase. Ziel dieser Etappe ist es, die Ausstellung durch kontinuierliche Sichtbarkeit und inhaltliche Vertiefung im öffentlichen Diskurs zu verankern. Eine Plakatinstallation am Gebäude Unter den Linden greift zentrale Ausstellungskapitel auf und lädt zur vertieften Auseinandersetzung vor Ort im Museum ein. Ergänzend werden auf Social Media einzelne historische Wendepunkte erläutert und kontextualisiert. Im Stadtraum kommen ausgewählte Motive aus der ursprünglichen Kampagne erneut zum Einsatz. Durch die Fokussierung auf ikonische Wendepunkte bleibt die Ausstellung präsent im Stadtbild und erreicht zugleich neue Zielgruppen, die bisher noch nicht angesprochen wurden.
in Kooperation mit
Julia Volkmar | Visual Space Agency