Gewalt ausstellen
Kampagne und Ausstellungsgrafik
Für das Deutsche Historische Museum haben wir die Kampagne zur Ausstellung über ein bislang kaum beachtetes Kapitel europäischer Erinnerungskultur gestaltet: Zwischen 1945 und 1948 entstanden in mehreren Ländern Ausstellungen, die unmittelbar nach Kriegsende die nationalsozialistischen Verbrechen dokumentierten – kuratiert oft von Überlebenden selbst. Die Ausstellung beleuchtet diese frühen Formen der Aufarbeitung in London, Paris, Warschau, Liberec und Bergen-Belsen – und die sehr unterschiedlichen Perspektiven auf Gewalt, Widerstand, Schuld und Zukunft.
Wie kommuniziert man ausgestellte Gewalt? Eine Kampagne mit Sichtbarkeit und Respekt.
Für die Kampagne zur Ausstellung haben wir ein Keyvisual entwickelt, das Aufmerksamkeit erzeugt, ohne die teils verstörenden historischen Abbildungen direkt zu zeigen. Stattdessen deutet es das Bildmaterial respektvoll an – über sorgfältig gewählte Ausschnitte, die Interesse wecken, ohne zu instrumentalisieren. Ergänzt wird das Motiv durch eine zurückhaltend gesetzte Signalfarbe, eine sachliche Typografie und ein Layout, das die modulare Logik der Ausstellungsarchitektur – einfache Flächen auf einem Gerüst – gestalterisch aufgreift.
Die Austellungsgrafik
Die Ausstellungsgrafik wurde als sachlich zurückhaltendes Leitsystem konzipiert, das den umfangreichen mehrsprachigen Inhalten – unter anderem in Polnisch, Tschechisch und Hebräisch – gerecht wird. Typografie und Gestaltung orientieren sich an der Klarheit der Ausstellungarchitektur und unterstützen die differenzierte Vermittlung der Thematik zur deutschen Besatzungs- und Terrorherrschaft während des Zweiten Weltkriegs.
Der Ausstellungskatalog
Der zweisprachige Ausstellungskatalog (Deutsch/Englisch) greift die gestalterische Rohheit der Ausstellung auf: Eine offene Bindung und ungestrichenes Papier betonen den dokumentarischen Charakter. Der Innenteil ist klar strukturiert, mit auf Lesbarkeit und Sachlichkeit ausgerichteter Typografie. Text und Bild sind so gesetzt, dass die wissenschaftlichen Beiträge zugänglich bleiben und zum vertieften Lesen einladen.
Facing Nazi Crimes – Das Begleitprogramm zur Ausstellung
Im Rahmen einer europäischen Veranstaltungsreihe werden an den historischen Ausstellungsorten – Paris, Warschau, London, Liberec und Bergen-Belsen – zentrale Aspekte der frühen Nachkriegsausstellungen diskutiert: ihre Kontexte, Wirkungen und ihr Einfluss auf die Erinnerungskultur.
Das Hauptmotiv der Ausstellungskampagne wurde hierfür adaptiert – es nimmt die gestalterische Grundidee auf, markiert jedoch durch Variation eine eigenständige visuelle Ebene.